Eine Ernährungsumstellung ist kein Schalter, den du einfach umlegst. Du wirst verschiedene Prozessschritte durchlaufen und dabei nach und nach herausfinden, welche Lebensmittel und welche Gewohnheiten dir wirklich guttun.
Und genau das ist für mich einer der spannendsten Teile einer Ernährungsumstellung: Du lernst deinen eigenen Körper wieder neu kennen.
Denn viele Menschen haben verlernt, auf die Signale ihres Körpers zu hören.
Wie geht es mir eigentlich mit dem, was ich esse?
Während deiner Ernährungsumstellung kannst du sehr viel darüber herausfinden, was dir bekommt.
Du kannst zum Beispiel deinen Blutzucker beobachten, wenn das für dich sinnvoll ist. Du kannst aber auch einfach einmal genauer in dich hineinhorchen:
Wie fühle ich mich nach dem Essen?
Habe ich Energie oder bin ich plötzlich müde?
Bin ich angenehm satt oder könnte ich eigentlich schon wieder etwas essen?
Wie fühlt sich meine Verdauung an?
Fühlt sich mein Körper wohl oder eher belastet?
Solche Beobachtungen können dir helfen, deine Ernährung immer weiter an dich und deine persönlichen Bedürfnisse anzupassen.
Dabei geht es nicht darum, jedes Lebensmittel akribisch zu bewerten. Es geht vielmehr darum, wieder ein Gefühl dafür zu entwickeln, was dir guttut.
Dein Körper darf wieder mitreden
Ich glaube, dass unser Körper uns sehr viel mehr erzählt, als wir manchmal wahrnehmen.
Mit der Zeit einer Ernährungsumstellung kann sich deshalb etwas Interessantes entwickeln: Du bekommst plötzlich Lust auf bestimmte Lebensmittel.
Nicht unbedingt auf das, was du früher ständig gegessen hast.
Dein Körper sagt vielleicht irgendwann:
„Du, ich hätte jetzt richtig Lust auf …“
Und dann darfst du zuhören.
Das bedeutet nicht, dass du ab sofort niemals mehr etwas essen darfst, das nicht in dein Ernährungskonzept passt. Eine nachhaltige Ernährungsumstellung sollte kein Gefängnis sein.
Aber wenn du inzwischen weißt, dass bestimmte Lebensmittel deinen Blutzucker ungünstig beeinflussen, kannst du dir eine andere Frage stellen:
Wie kann ich meinem Körper das geben, wonach er gerade verlangt – und gleichzeitig meinem neuen Ernährungskonzept treu bleiben?
Ein ganz alltägliches Beispiel
Stell dir vor, du sitzt abends gemütlich auf dem Sofa und schaust einen schönen Film.
Plötzlich kommt dieser Gedanke:
„Boah, jetzt hätte ich gerne etwas zu knabbern.“
Vor deiner Ernährungsumstellung wäre vielleicht Schokolade die erste Wahl gewesen. Oder Chips. Vielleicht ein Butterbrot oder irgendetwas, das gerade noch im Kühlschrank herumsteht.
Jetzt hast du aber andere Möglichkeiten.
Ich bin beispielsweise dazu übergegangen, mir eine Handvoll Nüsse zu nehmen. Oder einen Joghurt mit Beeren.
Und manchmal darf es eben auch Schokolade sein.
Nur habe ich irgendwann angefangen, andere Schokolade zu kaufen – beispielsweise eine mit einem hohen Kakaoanteil von 85 Prozent oder mehr.
Und ja: Die schmeckt am Anfang anders.
Vielleicht sogar ziemlich anders. 😄
Aber der Geschmack verändert sich.
Wenn du dich eine Zeit lang an weniger süße Schokolade gewöhnt hast, kann es tatsächlich passieren, dass dir die alte Schokolade plötzlich viel zu süß vorkommt.
Mach doch einmal die Gegenprobe.
Vielleicht kaufst du irgendwann wieder einen klassischen Schokoriegel und denkst:
„Was soll das denn sein?“
Nicht, weil der Riegel plötzlich schlecht geworden ist.
Sondern weil sich dein Geschmack verändert hat.
Und genau das finde ich an einer Ernährungsumstellung so spannend.
Gewohnheiten können sich verändern
Wir denken häufig, wir müssten uns ein Leben lang mit Verzicht quälen.
Aber eine Ernährungsumstellung kann auch bedeuten, dass sich unsere Vorlieben verändern.
Lebensmittel, die uns am Anfang ungewohnt erscheinen, können mit der Zeit ganz selbstverständlich werden.
Und plötzlich schmeckt dir etwas, das du früher vielleicht langweilig gefunden hättest.
Deine Nüsse.
Dein Joghurt mit Beeren.
Eine gute dunkle Schokolade.
Oder ein völlig neues Gericht, das du während deiner Ernährungsumstellung entdeckt hast.
Du entwickelst deinen eigenen Geschmack weiter.
Und damit entsteht etwas sehr Wichtiges:
Deine Ernährung wird immer mehr zu deiner Ernährung.
Nicht zu irgendeiner Diät aus einem Ratgeber.
Nicht zu einem vorübergehenden Programm.
Sondern zu einem Konzept, das zu deinem Leben, deinem Körper, deinen Bedürfnissen und deinen gesundheitlichen Zielen passt.
Es geht nicht um Perfektion
Natürlich wird es auch weiterhin Situationen geben, in denen du etwas isst, das eigentlich nicht zu deinem Ernährungskonzept passt.
Das ist kein Grund, alles hinzuschmeißen.
Eine nachhaltige Ernährungsumstellung bedeutet für mich nicht, dass du niemals wieder genießen darfst.
Sie bedeutet vielmehr, dass du bewusster entscheidest.
Du kennst inzwischen die Zusammenhänge.
Du weißt, was dir guttut.
Du weißt vielleicht auch, was deinen Blutzucker stärker beeinflusst.
Und du kannst deine Entscheidung entsprechend treffen.
Das ist ein großer Unterschied zu einer Diät, bei der jemand von außen festlegt, was du essen darfst und was verboten ist.
Hör wieder hin
Vielleicht ist das eine der wertvollsten Fähigkeiten, die du während deiner Ernährungsumstellung entwickeln kannst:
wieder auf deinen Körper zu hören.
Nicht jeder Körper reagiert auf jedes Lebensmittel gleich. Deshalb lohnt es sich, neugierig zu bleiben und dich selbst zu beobachten.
Was gibt dir Energie?
Was hält dich angenehm satt?
Was bekommt deiner Verdauung?
Was schmeckt dir wirklich?
Was tut deinem Blutzucker gut?
Und was brauchst du gerade eigentlich?
Je besser du deinen Körper kennenlernst, desto leichter wird es, deine Ernährung selbstbestimmt zu gestalten.
Und irgendwann kommt vielleicht dieser wunderbare Moment:
Du stehst vor dem Süßigkeitenregal und denkst:
„Nee. Ich nehme lieber meine Schokolade.“
Oder, um es mit meinen Worten zu sagen:
„Baby, die neue Schokolade – nicht dieser alte Süßkram von der Tanke.“
Und genau dann merkst du:
Die Ernährungsumstellung ist nicht mehr etwas, das du durchhalten musst. Sie ist Teil deines Lebens geworden.