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Ernährungsumstellung: Was bedeutet das eigentlich – und wie gelingt sie in der Praxis?

Inhalte dieses Beitrages

„Du musst deine Ernährung umstellen.“

Dieser Satz klingt zunächst einmal ziemlich harmlos. In der Realität kann er sich aber ganz anders anfühlen.

Bei mir war es jedenfalls so.

Nachdem ich mich intensiver damit beschäftigt hatte, welche Lebensmittel meinen Blutzucker beeinflussen und welche Ernährung bei Typ-2-Diabetes sinnvoll sein kann, stand ich irgendwann im Supermarkt und dachte:

Was soll ich hier eigentlich noch kaufen?

Plötzlich schien fast alles, was ich bisher gerne gegessen hatte, nicht mehr zu passen.

Fertiggerichte? Lieber nicht.

Viele kohlenhydratreiche Lebensmittel? Nicht mehr in der bisherigen Menge.

Meine geliebten Pasta- und Kartoffelgerichte? Erst einmal gestrichen.

Und auch beim Obst begann ich plötzlich, sehr viel genauer hinzuschauen. Dinge, die ich besonders gerne mochte, passten für mich nicht mehr zu dem Ernährungskonzept, das ich entwickeln wollte.

Das war zunächst frustrierend.

Denn Essen ist schließlich nicht nur Nahrungsaufnahme. Essen bedeutet auch Genuss, Gewohnheit, Geselligkeit und Lebensqualität.

Wenn plötzlich sehr viele vertraute Lebensmittel wegfallen, kann genau diese Lebensfreude verloren gehen.

Ernährungsumstellung bedeutet nicht: Alles weg!

Irgendwann habe ich aufgehört, mich zu fragen:

„Was darf ich jetzt eigentlich alles nicht mehr essen?“

Stattdessen habe ich mir eine andere Frage gestellt:

„Was kann ich stattdessen essen?“

Und genau dieser Perspektivwechsel hat für mich sehr viel verändert.

Mein analytisches Denken kam mir dabei zugute. Ich habe mir meine bisherigen Lieblingsgerichte angeschaut und untersucht:

  • Welche Zutaten passen für mich nicht mehr?
  • Was könnte ich ersetzen?
  • Welche Lebensmittel erfüllen eine ähnliche Funktion?
  • Welche neuen Lebensmittel kenne ich vielleicht noch gar nicht?
  • Wie kann ich ein Gericht so verändern, dass es zu meinem neuen Ernährungskonzept passt und mir trotzdem schmeckt?

So begann ich, meine bisherigen Rezepte Stück für Stück umzubauen.

Aus einem „Das darf ich nicht mehr“ wurde immer häufiger ein:

„Wie kann ich das anders machen?“

Und plötzlich wurde die Sache interessant.

Eine persönliche Lebensmittelliste kann unglaublich hilfreich sein

Ich habe mir eine große Liste mit Lebensmitteln zusammengestellt, die für meine Ernährung gut funktionieren, und diese Liste in meinem Handy gespeichert.

Das war im Alltag ausgesprochen praktisch.

Bevor ich meinen Einkaufszettel geschrieben habe, konnte ich nachschauen:

Was möchte ich kochen?

Welche Zutaten brauche ich?

Welche davon passen zu meiner Ernährung?

Gibt es vielleicht eine Alternative für eine Zutat, die für mich nicht geeignet ist?

Damit entstand nach und nach etwas, das viel wichtiger war als eine kurzfristige Diät:

mein persönliches Ernährungskonzept.

Es war keine fertige Anleitung, die ich irgendwo übernommen hatte.

Es entwickelte sich aus meinem Wissen, meinen Erfahrungen, meinen Vorlieben und dem, was meinem Körper guttut.

Und genau das halte ich für einen wichtigen Punkt bei jeder Ernährungsumstellung:

Deine Ernährung muss zu deinem Leben passen.

Was für den einen Menschen wunderbar funktioniert, kann für einen anderen völlig ungeeignet sein.

Wir haben unterschiedliche Vorlieben, unterschiedliche Lebensumstände, unterschiedliche Gewohnheiten und unterschiedliche gesundheitliche Voraussetzungen.

Deshalb glaube ich nicht an die eine perfekte Ernährung für alle.

Ich glaube vielmehr daran, dass wir lernen dürfen, unsere Ernährung immer besser kennenzulernen und herauszufinden:

Was bekommt mir? Was tut mir gut? Was hält mich satt? Was schmeckt mir? Und womit kann ich langfristig leben?

Ernährungsumstellung ist keine Diät

Das ist für mich einer der wichtigsten Unterschiede.

Eine Diät hat häufig einen Anfang und ein Ende.

Man nimmt sich beispielsweise vor, einige Wochen oder Monate etwas Bestimmtes zu essen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Eine Ernährungsumstellung funktioniert anders.

Wenn ich meine Ernährung aufgrund einer gesundheitlichen Situation verändere, kann der Gedanke nicht sein:

„Ich mache das jetzt sechs Monate und wenn meine Werte wieder besser sind, esse ich anschließend wieder wie vorher.“

Die eigentliche Frage lautet:

„Wie möchte ich mich zukünftig ernähren?“

Das bedeutet nicht, dass ab sofort alles perfekt sein muss.

Es bedeutet vielmehr, dass sich die Ernährung zu einem Bestandteil des eigenen Lebens entwickelt.

Mit der Zeit wird vieles selbstverständlich.

Man weiß, welche Lebensmittel man gerne einkauft. Man kennt seine Lieblingsgerichte. Man hat Alternativen gefunden. Man entwickelt neue Rezepte und entdeckt vielleicht sogar Lebensmittel, die vorher überhaupt keine Rolle gespielt haben.

Und irgendwann steht man nicht mehr ratlos vor dem Supermarktregal.

Man weiß, was man sucht.

Verzicht gehört dazu – aber er muss nicht das Zentrum sein

Natürlich wäre es unehrlich zu behaupten, eine Ernährungsumstellung bedeute überhaupt keinen Verzicht.

Manche Lebensmittel passen möglicherweise nicht zu den eigenen gesundheitlichen Zielen oder sollten zumindest deutlich seltener auf dem Speiseplan stehen.

Das darf man auch ganz ehrlich sagen.

Aber ich würde den Fokus nicht auf den Verzicht legen.

Denn wenn ich ständig denke:

„Das darf ich nicht. Das darf ich nicht. Das darf ich auch nicht.“

dann wird Ernährung schnell zu einem täglichen Kampf.

Viel hilfreicher war für mich die Suche nach Alternativen.

Was kann ich stattdessen essen?

Welche Zutat kann ich austauschen?

Welche neue Geschmacksrichtung kann ich entdecken?

Welche Lebensmittel habe ich bisher vielleicht völlig übersehen?

Dadurch verändert sich die Ernährungsumstellung von einer Einschränkung zu einem Entwicklungsprozess.

Und genau das kann sogar Spaß machen.

Auch die Familie darf Teil des neuen Ernährungskonzepts sein

Eine Frage, die immer wieder auftaucht, lautet:

„Aber was ist mit meiner Familie?“

Vielleicht haben die anderen Familienmitglieder gar keine gesundheitlichen Probleme. Müssen deshalb für alle getrennte Mahlzeiten gekocht werden?

Ich würde hier nicht vorschnell sagen: „Die anderen dürfen alles essen und ich muss eben mein eigenes Essen machen.“

Natürlich haben Kinder andere Bedürfnisse als Erwachsene und natürlich müssen Kinder nicht die Ernährung eines Menschen mit einer bestimmten Erkrankung übernehmen.

Aber gleichzeitig finde ich es wertvoll, wenn eine Familie gemeinsam entdeckt, was eine ausgewogene Ernährung eigentlich bedeutet.

Kinder dürfen selbstverständlich genießen. Sie dürfen auch Süßigkeiten essen, Fast Food kennenlernen und Dinge essen, die einfach Spaß machen.

Aber sie können gleichzeitig lernen:

Was braucht mein Körper eigentlich?

Welche Lebensmittel geben mir Energie?

Was macht mich satt?

Was bedeutet Nährstoffversorgung?

Denn Ernährung ist mehr als Genuss.

Unser Körper ist ein hochkomplexes System. Unsere Zellen, unser Gehirn, unsere Muskeln und unsere Organe brauchen Nährstoffe, damit sie funktionieren können.

Wenn Kinder diese Zusammenhänge früh kennenlernen, entsteht vielleicht etwas viel Wertvolleres als eine weitere Verbotsliste:

ein Bewusstsein für den eigenen Körper.

So kann eine Ernährungsumstellung Schritt für Schritt entstehen

Ich glaube deshalb nicht, dass man am ersten Tag ein perfektes Ernährungskonzept haben muss.

Es darf sich entwickeln.

Ein möglicher Weg kann sein:

1. Wissen aufbauen

Informiere dich zunächst darüber, welche Ernährung zu deiner persönlichen Situation passen könnte.

2. Die eigene Ernährung anschauen

Was esse ich eigentlich bisher? Welche Lebensmittel gehören täglich dazu? Wo liegen meine größten Gewohnheiten?

3. Nicht nur streichen, sondern ersetzen

Wenn etwas wegfällt, suche nach Alternativen. Vielleicht gibt es Lebensmittel oder Zubereitungsarten, die du bisher noch gar nicht kennst.

4. Lieblingsgerichte verändern

Du musst nicht automatisch alle bisherigen Lieblingsgerichte verabschieden. Prüfe, ob du sie verändern oder Zutaten austauschen kannst.

5. Ausprobieren

Nicht alles muss funktionieren. Manche Lebensmittel schmecken dir vielleicht nicht. Andere tun dir möglicherweise nicht gut. Das gehört zum Lernprozess.

6. Beobachten

Wie fühlst du dich nach bestimmten Mahlzeiten? Wie lange bist du satt? Wie bekommt dir das Essen? Was funktioniert im Alltag?

7. Dein eigenes Konzept entwickeln

Mit der Zeit entsteht daraus eine Ernährung, die immer besser zu dir, deinem Körper und deinem Leben passt.

Und plötzlich verändert sich mehr als nur das Essen

Bei mir hat diese Entwicklung irgendwann dazu geführt, dass Ernährung nicht mehr nur aus Verboten bestand.

Ich hatte Alternativen gefunden.

Ich konnte meine Lieblingsgerichte weiterhin genießen – nur eben in einer anderen Form.

Und damit kam auch etwas zurück, das am Anfang verloren gegangen war:

Lebensqualität und Lebensfreude.

Für mich ist genau das der entscheidende Punkt.

Eine Ernährungsumstellung sollte nicht dazu führen, dass du ständig das Gefühl hast, auf dein eigentliches Leben verzichten zu müssen.

Sie sollte dir vielmehr helfen, dein Leben langfristig so zu gestalten, dass du dich damit wohlfühlst.

Mein persönlicher Gedanke dazu

Wenn du gerade vor einer Ernährungsumstellung stehst, dann versuche vielleicht einmal, nicht mit der Frage zu beginnen:

„Was darf ich jetzt alles nicht mehr essen?“

Frag dich stattdessen:

„Was kann ich entdecken?“

Vielleicht findest du neue Lebensmittel.

Vielleicht entdeckst du neue Rezepte.

Vielleicht lernst du, deine bisherigen Lieblingsgerichte ganz neu zuzubereiten.

Und vielleicht entsteht daraus mit der Zeit etwas, das viel wertvoller ist als eine Diät:

eine Ernährung, die wirklich zu dir gehört.

Eine Ernährungsumstellung ist keine vorübergehende Strafe für eine Diagnose.

Sie kann der Beginn sein, dich bewusster mit deinem Körper, deiner Ernährung und deinen eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

Nicht perfekt.

Nicht dogmatisch.

Sondern Schritt für Schritt und mit dem Ziel, eine Ernährungsweise zu finden, mit der du langfristig gesund, genussvoll und gerne leben kannst.

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